Beziehung oder Affäre?

Wunschthema # 1

Mein Blog hat kürzlich ein Facelifting erhalten und ist nicht nur viel schöner und übersichtlicher geworden, sondern hat auch einiges an neuen Features bekommen. Auf diesem Weg meinen großen Dank an die „Schönheitschirurgen“. Es kann jetzt (anonym) eine Frage gestellt oder ein Wunschthema angeben werden. Hier kommt das Erste …

Weißt Du eigentlich überhaupt schon selber, was Du willst? Möchtest Du ein bisschen Spaß haben, Dich ausprobieren, und das alles möglichst unverbindlich? Oder bist Du auf der Suche nach einer festen Beziehung, weil Du eine Familie gründen und endlich ankommen willst? Wahrscheinlich stehst Du an einem Punkt in Deinem Leben, an dem eins davon für Dich passender erscheint.

5 Checkpoints: Wie ernst meint er oder sie es wirklich?

Ihr habt Euch gerade erst kennengelernt? Im Internet, in der Arbeit oder in einer Bar? Du bist auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung und weißt aber noch nicht wie der andere dazu steht und darüber denkt? Direkt fragen willst Du ihn auch nicht, weil Du denkst, Du könntest ihn dann verschrecken? Hier kommen fünf Punkte, anhand derer Du einen guten Einblick bekommst, wie Dein Gegenüber tickt.

Es gibt nämlich Verhaltensweisen und Merkmale, die darauf hindeuten, wie Dein Vis-à-vis denkt und was der potentielle Partner bereit ist in Dich bzw. in eine Beziehung mit Dir wirklich zu investieren.

Check #1: Wie, wo und wann habt Ihr Euch kennengelernt?

Mal angenommen, Ihr seid Euch das erste Mal abends in einer Bar begegnet und der Abend ist schon fortgeschritten. Ihr flirtet heftig miteinander und verlasst gemeinsam die Bar, woraufhin sich möglicherweise fast wie von selbst die Frage stellt: „Gehen wir noch zu mir oder zu dir?“ Klar muss immer sein, dass Sex am ersten Abend eine unwiderrufliche Aussagekraft hat, auch wenn der Alkohol dabei meist eine erhebliche Rolle dabei spielt. In meiner Praxis mache ich die Erfahrung, dass gerade (manche) Männer Probleme mit Frauen haben, um die sie sich nicht sehr „bemühen“ mussten. Zumindest wenn Sie eine feste Beziehung mit ihr eingehen wollen. Gegen die „leichte“ Nummer haben nämlich die wenigstens etwas einzuwenden. Die unbewusste Schlussfolgerung für diese Männer lautet: Wenn sie das mit mir getan hat, tut sie es sicher auch mit anderen. Und das, ja, im Zuge der Gleichberechtigung …

Das gleiche gilt für Internet-Bekanntschaften. Es ist durchaus ein Unterschied, ob man sich in einem seriösen Partnersuchportal kennenlernt oder über eine Casual-Dating-App. Ging dem ersten Treffen eine halbwegs sinnvolle Kommunikation voraus oder wurde rasch und ohne großes Vorspiel und Umschweife ein Date vereinbart? Wenn ja, wo hat es stattgefunden? Mittags im Schnellimbiss um die Ecke der Firma, weil das minimalen Aufwand bedeutet oder ein geplantes Abendessen in der Lieblingskneipe?

Alles das sind bereits wichtige Signale, wie ernst es jemandem ist, mit Ihnen in eine (klassische) Beziehung zu treten.

Check #2: Gibt es Blick- und Körperkontakt?

Je nach Fortschritt und Dauer der Beziehung wird aus dem Blickkontakt erst allmählich Körperkontakt und auch der verändert sich natürlich je nach Vertrautheitsgrad. Grundsätzlich gilt: Wie ist der Blickkontakt genau? Sieht das Gegenüber Dir fest und kraftvoll in die Augen und kann der andere Deinem tiefen Blick überhaupt standhalten? Wenn es stimmt, dass die Augen der Eingang zur Seele sind, liegt es doch auf der Hand, weshalb das so schwer ist hier in echten Kontakt zu kommen. Will man den anderen denn überhaupt sehen, geschweige denn erkennen, und möchte man selbst von ihm erkannt werden? Über die Augen ist extrem viel Intimität möglich und gerade Menschen, die Bindung vermeiden wollen, können sich darauf kaum einlassen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Augen auf beim Sex! Oder werden Stellungen bevorzugt, in denen genau das vermieden wird?

Und wie ist der Körperkontakt? Ist er vorsichtig, achtsam und wertschätzend oder handelt es sich um einen direkten, festen Griff, der wenig Aufschub duldet bei der Frage, was als nächstes geschehen wird? Ein zartes Streichen mit der Hand über die Wange, eine liebevolle Berührung der Hände, ein gehauchter Kuss in den Nacken, all das zähle ich zu liebevollen Berührungen, in denen die Verbindung zum Partner im Vordergrund steht. Ein plumper Griff an den Hintern oder ein viel zu schnell aufgedrückter Kuss steht eher für rein sexuelle Gesten. Spüre hin, ob es sich für Dich passend im gewünschten Gesamtrahmen anfühlt. Denn beides völlig okay, aber eben auch alles zu seiner Zeit.

Check #3: Sagt oder schreibt er/sie etwas Nettes und wenn ja worüber?

Vielleicht ist das eine Frage des Alters, aber ich persönlich finde, dass eine An- und Abrede(!) in Nachrichten wichtig ist und auch immer Bedeutung hat. Da bin ich gerne etwas „old school“. Wenn man einen Menschen kennenlernt, zeigt sich doch gerade zu Beginn sein Bemühen. In den Zeiten von WhatsApp & Co. wird immer mehr an Worten gespart (Sprachnachrichten sind groß im Kommen, weil nun auch das Tippen zu viel Zeit in Anspruch nimmt) und man darf sich schon über die Abkürzung „LG“ grenzenlos freuen.

Kommen denn überhaupt Nachrichten zwischendrin? Oder beschränken sich diese auf Selfies oder entsprechende Körperteile – über den Filter geschönt, versteht sich? Nimmt er oder sie sich die Zeit dazu, Dir mitzuteilen, dass man Dich vermisst oder kurz zwischendrin einmal, wenn auch nur virtuell, drücken möchte? Oder wird Dir nur mitgeteilt, dass (wahrscheinlich) er oder (vielleicht auch) sie schon wieder geil auf Dich ist und sich auf Deinen (hoffentlich) prallen Hintern in sexy Unterwäsche freut? Gibt es Komplimente und wenn ja, beziehen sie sich auf das Äußerliche oder auch ab und an auf persönliche Eigenschaften?

Prüfe welche Nachricht sich für Dich zum jetzigen Zeitpunkt passender in Deiner Lebenssituation anhört: Dass der gestrige Abend mit Dir ganz wunderbar war und er/sie sich pudelwohl gefühlt hat und nun eine gute Nacht wünscht oder die zeichenreduzierte Frage: „Hey Süße(r), was hast du grad an, ich lieg schon im Bett – zwinker-Smiley inklusive …“

Gibt es zwischendrin Anrufe oder Sprachnachrichten? Ist der oder die Angebetete für Dich überhaupt erreichbar? Gar nicht selten fahren Menschen gerade am Anfang parallel und haben einige Eisen im Feuer. Natürlich entscheidest Du selbst, wie Du den Kontakt zwischen den Treffen interpretieren möchtest. Ist er oder sie einfach im Arbeitstress, hat Handyverbot oder schlichtweg keine Lust zu kommunizieren?

Check #4: Geht er/sie wirklich auf Dich ein?

Echtes Interesse vom Gegenüber ist manchmal Mangelware. Zu spüren, wenn jemand neugierig auf einen ist und unbedingt erfahren will, wer man ist und was einen ausmacht, anstatt sich zu erkundigen, was man hat. Geht der andere auch auf persönliche Fragen ein und ist bereit im Gegenzug bereit, etwas von sich zu zeigen? Auch etwas wie Schwächen, Ecken oder Kanten? Oder kreist der/die Angebetete am Ende nur um sich selbst und berichtet, wie toll, erfolgreich und beliebt er/ sie ist? Dreht sich alles nur um den Job?

Du hattest erwähnt, dass ein wichtiges Gespräch oder ein Arzttermin ansteht, dann ist es durchaus ein Zeichen von Aufmerksamkeit, ob der andere sich bei Dir danach erkundigt oder ob es einfach unter den Tisch fällt – mangels turbulentem Alltag oder Wichtigkeit Deiner Person. Wirst Du jedes Mal erneut gefragt, ob Du den Kaffee schwarz trinkst oder lieber Rot- oder Weißwein magst, dann hat der Partner in spé entweder ein Problem mit seinem Kurzzeitgedächtnis oder schlichtweg kein wirkliches Interesse an einer Beziehung mit Dir und ist wahrscheinlich froh, wenn er sich Deinen Namen merken kann und Dich nicht verwechselt.

Check #5: Darf´s auch mal kein Sex sein?

Es ergibt sich eines Abends, dass Ihr gemeinsam auf dem Sofa kuscheln und über Gott und die Welt redet. Mit oder ohne Wein. Vielleicht liebkost Ihr Euch gegenseitig und fühlt Euch einfach nur unendlich wohl und geborgen? Darf und kann der Abend sexuell gesehen auch so „unproduktiv“ zu Ende gehen oder pocht Dein Angebeteter oder Deine Angebetete schlussendlich immer noch auf die finale Nummer, weil sonst seine/ihre Unzufriedenheit über Hand nehmen würde?

Und was, wenn es Dir einmal nicht so gut geht oder Du einfach keine Lust auf Sex hast? So was soll ja vorkommen. Bezieht der andere diesen Umstand gerne auf sich, fühlt sich schnell zurückgewiesen oder abgelehnt? Oder ist er/sie in der Lage, selbst stabil zu bleiben, ohne daraus ein Megadrama zu generieren, geschweige denn es als Qualitätsmerkmal für die angehende Beziehung anzusehen? Und am wichtigsten: Ohne Druck auf Dich auszuüben? Das erscheint mir als eines der wichtigsten Fähigkeiten und spiegelt die Reife am ehesten wider.

Fazit

Ich denke, wenn man etwas hin spürt, sich auf sein Bauchgefühl verlässt und noch dazu den Verstand nicht völlig ausschaltet, sollte jeder in der Lage sein, zu erkennen, ob es dem Gegenüber etwas Wert ist mit einem zusammen zu sein. Eine gefestigte Persönlichkeit hat ein entsprechendes Selbstwertgefühl und das gerät immer in Alarmbereitschaft, wenn andere es nicht gleichermaßen achten. Aber wir wollen uns das manchmal nicht eingestehen.

Selbstbewusste Menschen verschwenden nämlich keine Zeit, in dem sie sich etwas vormachen oder schönreden, sondern stehen für sich ein und verfügen notfalls auch über eine entsprechende Trennungskompetenz. Dann stehen sie rasch wieder auf und gehen weiter.

Das Problem stellen diejenigen dar, die sich, obwohl sie es ahnen oder sogar wissen, dennoch auf maue Beziehungen einlassen, die schon zu Beginn einen faulen Kompromiss darstellen. Wehret also den Anfängen. Dann bleibt Euch die ein oder andere Überraschung erspart.

Für diese Menschen habe ich folgenden Artikel über Ghosting und Benching geschrieben:

Hier weiterlesen …

 

Foto: © privat (selbstgebratene Piementos)

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