Streiten hin und streiten her

Mann, mann, mann, was ist da bloß los nach den eiskalten Tagen der letzten Wochen? Ich hatte diese Woche so viele Streitpaare, wie sonst im ganzen Monat nicht bei mir zu Gast. Wann beginnt für dich eigentlich Streit und ist das nicht sogar „gesund“ sich zu reiben?

Definition von Streit

Streit ist auch immer eine Frage der Definition, wie ich in meiner Praxis feststelle und da sind sich Mann und Frau selten einig. Ich persönlich definiere wie folgt: Auseinandersetzungen und Diskussionen (gerne auch mal mit etwas Reibung), finden immer über der Gürtellinie statt und alles unterhalb dieser Linie fällt in die Kategorie Streit. Hier liegt der gravierende Unterschied zwischen kontruktiven Konfliktgesprächen (die kaum vermeidbar sein dürften) und wirklich destruktivem Verhalten. Denn unter der Gürtellinie findet sich immer emotionale, verbale und sehr oft auch körperliche Gewalt. Übrigens auf Frauenseite ebenso wie auf der Männerseite, das muss man ganz klar sagen. Und dort ist nichts mehr gesund und gut für die Beziehung!

DIe Streitspirale

Das sehen „meine“ Streitpaare häufig anders, denn sie finden unzählige Gründe dafür, das der andere schuld ist für das eigene (Fehl)Verhalten. „Sie hat mich provoziert“ oder „Er hat aber …“ oder „Wenn du nicht dies oder das getan/gesagt/gemacht hättest, dann …“ usw. Als Therapeut ist es manchmal gar nicht so leicht, im Energiefeld von diesem Paaren noch gut bei sich bleiben zu können:-). Das Wissen um Streit und ehrliches Verständnis für das Verhalten dieser Paare hilft und natürlich braucht es klare Führung. In der Regel wissen diese Klienten auch, dass ihre Streitereien nichts bringen und zwar gar gar gar nichts, außer einem immer größer werdenden Scherbenhaufen.

Die Metapher eines starken Strudels kommt der Streitdynamik recht nah wie ich finde – erst wird das Wasser etwas unruhig und ehe man sich´s versieht und bemerkt, ist man schon mitten drin im Strudel und wird dann natürlich hoffnungslos mitgerissen. Der Ausstieg wurde knapp verpasst als er noch möglich gewesen wäre. DIe Endstation heißt jetzt nur noch Traurigkeit, Erschöpfung, Angst, Scham usw.

Was will Streit eigentlich?

Wenn man diese Paare miteinander streiten sieht (und hört), bekommt man das Gefühl, dass es immer um „Leben und Tod“ zu gehen scheint oder zumindest um etwas sehr, sehr Existentielles. Auge um Auge, Zahn um Zahn ist die Regel und nur einer kann offenbar überleben. Alle Register werden in diesem Kampf gezogen und alle Waffen eingesetzt.

Noch etwas haben alle diese Paare gemeinsam, nämlich ihnen ist nicht klar, dass jeder für sich schlimme und tiefe Verletzungen (in der Vergangenheit!) erlebt hat, die aktuell (in der Gegenwart!) durch den Partner nur getriggert (= ausgelöst) werden. „Nur“ das ist der Fall, auch wenn es sich so anfühlt, als wenn dieser die Wunden erst aufreißt, so weh tut es. Keiner, auch nicht der Partner, niemand auf der Welt, ist dazu in der Lage, uns derartige Wunden zuzufügen, denn wir haben sie bereits und sie sind noch nicht vollständig verheilt! Genau deshalb muss der geliebte Partner regelmäßig daran erinnern. Ich gebe zu, das klingt für viele sicher nach einer kühnen These, weil nun Eigenverantwortung gefragt ist. Bisher bestand das Muster in gegenseitigen Schuldzuweisungen der Partner.

Es geht auch anders

Natürlich und Gott sei Dank besteht unser Praxisalltag nicht nur aus Streitpaaren und im folgenden Artikel von mir geht es um ein Paar, das nie streitet und das angeblich auch noch nie getan hat! Eine seltene Spezies? Mag sein, aber vielleicht ist es auch ein Paar, das bereits auf einer „höheren“ Ebene unterwegs ist, auf der die Verletzungen aus der Vergangenheit geheilt sind und somit nicht mehr unkontrolliert in der Liebesbeziehung nach oben drängen müssen.

Hier geht´s zum Artikel …

 

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