Mythos Midlife-Crisis

Die Midlife-Crisis ist weder biologisch determiniert, noch ist sie ein Must-have. Die Mehrzahl der Forscher und Wissenschaftler halten die Krise mit dem irgendwie niedlich klingenden Namen für eine Anhäufung verschiedener Themen, die um die Lebensmitte unglücklich zusammentreffen. Das Klischee  lässt die meisten Menschen wohl an einen alternden Mann denken, der sich, wie aus dem Nichts, den obligatorischen Porsche anschafft oder eine Harley Davidson besteigt und die auffällig jüngere Begleiterin gleich mit. Nein, nein, es sind nicht nur wieder die Männer, die den Terminus Midlife-Crisis für sich beanspruchen, sondern ebenso wir Frauen. Denn Krisen machen keinen Geschlechterunterschied.

Die Großbaustelle entsteht

Die Wissenschaftler scheinen sich einig zu sein: der Job, die flügge werdenden Kinder, alte oder kranke Eltern, laue und/oder maue Partnerschaften; alles das können zentrale Themen dieser Krise im mittleren Lebensalter sein. Sowohl für Männer als auch für Frauen. Und ja, das kann ich als Therapeutin absolut bejahen. Und ich weiß leider auch, dass genau diese Themen viel zu häufig viel zu lange ausgeblendet werden oder besser gesagt, wenn die Menschen zu unsereins kommen, bereits über einen langen Zeitraum ausgeblendet worden sind. Da häufen sich mit einem Mal viele Baustellen und daraus ist im Laufe der Jahre -schleichend- eine beachtliche Großbaustelle entstanden.

Hinschauen statt Wegschauen

Da laufen wir durch unser Leben, beinahe immer im Schweinsgalopp und nehmen uns viel zu wenig Zeit für uns selbst. Abgesehen davon haben viele Menschen ohnehin den Bezug zu sich selbst erfolgreich verloren. Am liebsten auf der Überholspur – ganz links versteht sich, mit Vollgas, und wehe, es tritschelt ein Lahmarsch vor uns her,  – dann gib ihm doch die Sonne! Die Entwicklung unserer Gesellschaft macht es uns nicht gerade leicht, dass wir irgendwie auf die absurde Idee kämen, den Standstreifen oder gar einen Parkplatz anzufahren! Uns fehlt das Bewusstsein dafür, wie es uns wirklich im Inneren geht. Das Äußere ist doch viel sichtbarer und beeindruckender, besonders für andere. Männer, die wie wahnsinnig Bestätigung und Anerkennung im Job suchen und Frauen, die alles zu wuppen scheinen, weil sie so gerne perfekt sein wollen. Das wird einen hohen Preis haben müssen.

Fazit

„Wie innen so außen“ – wie viel Wahrheit liegt in diesem schlichten Satz. Wenn wir unser Innenleben so schmählich vernachlässigen, braucht es mitunter ein Aufrütteln von Außen, was sich als Job- oder Beziehungskrisen oder sogar durch Krankheit(en) bemerkbar macht. Das Außen spricht eine unmissverständliche Sprache, die wir spätestens jetzt lernen sollten, zu verstehen. Ansonsten müssen wir Selbstverständlichkeiten wie Entschleunigen, Langsamkeit, Stille und Achtsamkeit spätestens in der Burn-Out-Klinik mühsam erlernen. Wir kriegen es einfach nicht hin, dauerhaft wegzuschauen. Gegen innere Leere helfen nämlich äußere Beseitigungsstrategien wie neuer Lover oder Sportwagen nichts. Zumindest nicht dauerhaft, denn nach einer kurzen Anfangseuphorie geht die Suche nach dem nächsten Kick weiter …

Hier kannst du eine kurze und sehr informative ARTE-Doku dazu anschauen …  

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