Beziehungspause oder Trennung auf Zeit?

Wie sinnvoll sind Beziehungspausen wirklich? Können sie einem Paar, das sich in der Krise befindet, wirklich helfen oder werden die Probleme dadurch nur verschoben? Was ist dran an der Aussage, dass eine Trennung auf Zeit nur der Anfang vom Ende ist, um sie letztendlich nur hinauszuzögern?

Meist einseitiger Wunsch

In der Praxis kommt der Wunsch nach einer Trennung auf Zeit recht häufig vor und wird in der Regel nur von einem Partner gewünscht. Dieser hat festgestellt, dass er sich seiner Gefühle nicht mehr sicher ist und hofft, durch die räumliche Trennung Klarheit über seine Gefühlslage zu erlangen.

Für den anderen Partner ist es oft sehr schwer dem Wunsch des Partners nach einer Trennung, wenn auch zeitlich limitiert, mit offenem Herzen nachzukommen. Bei den meisten Menschen geht das mit einer schweren Kränkung und tiefen Verletzung einher.

Zu lange zu viel zugelassen

Es ist kein Klischee, wenn ich sage, dass es häufiger die Frauen sind, die den Wunsch nach einer Beziehungspause aussprechen. In sehr vielen Fällen ist ein typischer Verlauf zu beobachten. Beim Kennenlernen und zu Beginn der Partnerschaft haben die Frauen wie selbstverständlich begonnen Dinge und Tätigkeiten zu übernehmen, die (besser) beim Partner verortet gewesen wären. Meist geschieht das aus dem Grund gefallen zu wollen, schließlich ist die Beziehung noch nicht in trockenen Tüchern. Was sie nicht merken ist, dass sie auf dem besten Weg sind sich zu übernehmen, langfristig sogar zu überfordern. Wenn ich diese Paare frage, ob die Verantwortung in ihrer Beziehung gleich verteilt ist, kommt immer die gleiche Antwort: Nein! Die Frau trägt einen wesentlich größeren Teil, was übrigens der Mann selten abstreitet. Durch diese dauerhafte Schieflage und die dadurch kreierte Unzufriedenheit kollabiert das System gerne abrupt und meistens dann, wenn (echte) Kinder dazu kommen, weil die Arbeitsleistung nicht mehr zu bewältigen scheint. Statt den wirklichen Ursachen auf den Grund zu gehen, scheint das einzige funktionale Muster in vielen Fällen emotionaler Rückzug zu sein, der dann so weit gehen kann, bis der Wunsch nach einer Beziehungspause oder Trennung auf Zeit geäußert wird.

Salamitechnik?

Salamitechnik bedeutet, dass eine Trennung nicht in einem radikalen Schritt vollzogen wird, sondern in kleinen „appetitlichen“ Scheibchen. Eine Trennung auf Raten sozusagen. Vielleicht weil man den Partner nicht verletzen will, was aber nicht in unserer Macht steht und im Trennungsfall selten vermeidbar ist. Ehrlicherweise ist es eher so, dass es uns selbst davor graut, die Verletztheit des Partners aushalten zu müssen, dabei wäre das doch das Mindeste, wenn wir ihn schon verlassen, oder?

Derjenige, der die Beziehungspause wünscht, ist sich manchmal aber auch selbst nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung ist und hat große Angst davor einen Fehler zu begehen, den man möglicherweise bereut und der nicht korrigierbar sein könnte. Gerade bei länger bestehenden Partnerschaften ist diese Angst groß. Die Frage: „Wer bin ich ohne meinen Partner?“ muss mitunter lange nach Antworten suchen. Klingt jetzt irgendwie ganz schön gemein und einseitig, nicht wahr?

Aber die Salamitechnik hat auch für denjenigen, der die Beziehungspause nicht ausgesprochen hat Vorteile. Dieser will nämlich eine mögliche Trennung verhindern und verschafft dem Partner somit Zeit in sich zu gehen. Das bedeutet Hoffnung für ihn, dass sich vielleicht noch alles ändern möge (idealerweise die Gefühlslage des Partners;-)) und zum Guten wenden. Somit sind im Grunde beide auf der „sicheren“ Seite. Schwierig dabei ist allerdings, dass der trennungsunwilligere Partner dem Wunsch nach einer Trennung auf Probe selten mit einer echten Haltung nachkommt, sondern ihn eher erträgt statt trägt. Das sind keine günstigen Voraussetzungen, weil hier Augenhöhe fehlt, aber diese Schieflage hat ja genau dazu geführt, dass das Paar dort steht wo es steht.

Wofür wird die Beziehungspause genutzt?

Mal angenommen, ein Paar vereinbart eine vierwöchige oder dreimonatige Beziehungspause. Dann frage ich, was in dieser Zeit denn geschehen soll. Oft ist das dem Paar selbst nämlich nicht klar. Wir können davon ausgehen, dass nach Ablauf dieser Trennungszeit nichts anders ist als vorher, es sei denn, man hat die Zeit sinnvoll genutzt, um an sich zu arbeiten und die Beziehung inklusive der eigenen Anteile zu reflektieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir im Grunde unseres Herzens sehr genau spüren, wo unser Weg entlang führt, wenn wir das zulassen. Und manchmal geht unser Weg eben den Umweg einer Beziehungspause. Wenn wir uns gegenüber ehrlich und aufrichtig sind, merken wir auch, ob es der richtige Weg ist oder nur die Angst vor dem was vielleicht alles kommen könnte.

Ein Phänomen der heutigen Zeit ist, trotz aller vorhandenen Freiheiten, dass Menschen immer weniger wissen, was sie wirklich wollen und den Bezug zu sich selbst verloren – und noch nicht wieder gefunden haben. Nur durch eine räumliche Trennung, zumal sie auf Zeit angelegt ist, wird sich kaum etwas verändern.

Fazit

Für mich bedeutet eine Beziehungspause nicht unbedingt der Anfang vom Ende, sondern im Idealfall der Beginn von etwas Neuem. Vorausgesetzt, man beschäftigt sich derweil mit der Ursachenforschung! Folgende Fragen sind in meinen Augen dringend vorab zu klären, damit jeder weiß, woran er ist. Schließlich ist das auch immer eine Zeit, die von Verunsicherung geprägt ist.

Wie lange soll die Beziehungspause dauern? Was genau soll in dieser Zeit geschehen? Wie wollen wir als Paar in dieser Zeit miteinander umgehen? Gibt es uns überhaupt noch als Paar oder sind wir jetzt wieder Singles (einschließlich sexueller Kontakte)? Wollen wir miteinander in Kontakt stehen oder Funkstille haben und wenn Kontakt, in welchem Rahmen? Wer wird wann eine Entscheidung treffen?

Damit die Partnerschaft eine echte Chance erhält, wäre das ein absolutes Muss – für partnerschaftliche Fairness.

 

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Foto: © Privat (München, Johanneskirchen)

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