Warum verlässt du mich?

Vom Partner verlassen zu werden ist so ziemlich das schlimmste, was einem in einer Partnerschaft passieren kann.

Weil es selten in gegenseitigem Einvernehmen geschieht, gibt es meist einen der die Trennung will und einen, der sie um jeden Preis vermeiden will. Und dieser durchleidet Höllenqualen.

 

Nicht wahrhaben wollen

„Schatz, wir müssen reden. Ich liebe Dich nicht mehr und es tut mir so leid.“

Die sogenannte Schockphase zeichnet sich dadurch aus, dass man das Gehörte, Gesagte oder Geschehene nicht begreift und durch die Käseglocke, die um einen herum zu bestehen scheint, gar nicht bis zum Gehirn durchdringt. Viele funktionieren in diesem Moment und reagieren wie in einem Schockzustand sogar noch verständnisvoll.

Erst viel später wird begreiflich, was passiert ist, Man ist verlassen worden. Oft wird das erst mit der physischen Trennung klar, also dann, wenn der Partner auch wirklich auszieht. Die Hoffnung ist es, die das Überleben möglich macht. Vielleicht war das ja alles nur ein Albtraum? Das kann doch gar nicht sein. Ich liebe ihn oder sie doch noch. Man kann doch nicht alles plötzlich hinschmeißen.

 

Doch, kann man.

Es braucht immer zweimal ein Ja für eine Partnerschaft, aber ein Nein reicht aus, um sich gegen eine Beziehung zu entscheiden.

Wobei es sicherlich fehl am Platze ist, von einem plötzlichen „Hinschmeißen“ zu sprechen, denn kaum jemand trifft den Entschluss zur Trennung über Nacht. In aller Regel gehen dieser Entscheidung Wochen, Monate wenn nicht sogar Jahre voraus. Leider oft ungenutzte Zeit, denn nur in wenigen Ausnahmefällen ist ein Paar in so gutem Kontakt, dass sie versuchen würden, die Konfliktthemen zeitnah gemeinsam anzugehen. Stattdessen beschäftigt sich häufig nur einer damit und entfernt sich dabei immer weiter vom anderen, der von den möglichen Konsequenzen oft noch nichts ahnt. Am Tage der Entscheidung zur Trennung ist der Trennungswillige dann um Welten voraus und den Trennungsunwilligen trifft es wie einen Blitz aus heiterem Himmel. Dieser muss nun langsam all das bis dahin einseitig Geschehene zu begreifen. Noch schmerzhafter ist es, wenn an der Trennung eine dritte Person beteiligt ist.

 

Was hilft jetzt wirklich?

Definitiv keine schlauen Sprüche wie „das Leben geht weiter“ oder „andere Eltern haben auch schöne Kinder“ oder „du musst jetzt stark sein“ usw. Es braucht überhaupt keine Sprüche und schon gar keine hilflosen Versuche von Problemlösungen, sondern einfach nur da zu sein.

Das soziale Umfeld und die Tragfähigkeit dieses Netzwerkes sind nun wirklich gefragt, denn am allermeisten hilft: Darüber reden! Immer wieder. Nur so kann das Geschehene allmählich zur Realität werden. Trennung und Trauer liegen eng beieinander und den Trauerprozess kann und sollte man nicht verdrängen. Man kann ihn auch nicht abkürzen, auch wenn wir das durch Ablenkungsmanöver aller Art gerne versuchen. Trauer hat einen Bumerang-Effekt und sie holt einen immer wieder ein. Es hilft also nichts, sie muss durchlebt werden und das gemeine daran ist, dass derjenige, der die Trennung ausspricht, diesen Prozess schon zum Großteil innerhalb der Beziehung durchlebt hat und der Verlassene selbst alles noch vor sich.

Trauer braucht seine Zeit und wir sind es nicht gewohnt, so hilflos und bedürftig zu sein. Keine Kontrolle mehr über unsere Gefühle (und den Körper!) zu haben. Trotzdem ist das ein „normaler“ Prozess, der umso stärker ist, je intensiver die emotionale Bindung zu diesem Menschen war.

Und dann … eines Tages … dann kann das Leben vielleicht wieder weiter gehen. Wenn die Abstände größer werden, in denen es einen wieder und wieder in ein Loch wirft beim bloßen Gedanken an den Partner und die Intensität schwächer wird. Aber erst dann.

 

Foto: © Peter Gardill-Vaassen

Beitrag teilen
5 Kommentare
    • jacqueline
      jacqueline sagte:

      lass den kopf nicht hängen!alles wird gut!..mir geht es auch – 10kg schlecht. grins.. .nichts ist für die ewigkeit, außer du selbst!

      Antworten
  1. Thomas
    Thomas sagte:

    Mitte der 90er hat mich meine damalige Traumfrau „Constanze“ verlassen. Einen größeren Keulenschlag hat es seither nie mehr für mich gegeben. Wir schreiben heute das Jahr 2014 und, wenn ich ganz tief in mich hineinhöre, hab ich es noch immer nicht ganz verwunden. Dabei geht es nicht mal um das verlassen worden sein, sondern um die Liebe die ich empfunden habe und diese unglaubliche Leere die entsteht, wenn dieser Mensch dann nicht mehr da ist. Nun ja…

    Antworten
  2. Jesco (DocJesco
    Jesco (DocJesco sagte:

    Richtig! Ich hätte es nicht schöner ausdrücken können – Trauer hat einen Boomerang-Effekt! Es ist verblüffend, wie viele Menschen das nicht erkennen und davor weglaufen. Viel einfacher wäre es, wenn man sich einfach der Situation stellt und den Liebeskummer überwindet.

    Ich glaube, dass viele sich nicht mit der Trauer konfrontieren wollen, weil es gleichzeitig bedeutet eigene Schwächen oder Fehler erkennen zu müssen.
    Warum hat man so ein negatives Bild von einer Trennung? Eine Trennung ist im Grunde genommen etwas Positives – weil es für eine Veränderung bzw. eine persönliche Weiterentwicklung sorgt.

    Eine Trennung ist die beste Gelegenheit für einen Neuanfang!

    Antworten
    • Andrea Bräu
      Andrea Bräu sagte:

      Das ist doch mal ein toller Kommentar und eine positive Sichtweise. Vielen Dank dafür! Wenn ich auch zugebe, dass in der Akutsituation dieser Blick kaum möglich ist, sondern eher im Nachgang;-).

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen