Kommunikationsverfall aus Sicht eines 1941 geborenen

Posted by on 12.09.2017 in Aktuelles, Persönliches | Keine Kommentare

Kommunikationsverfall aus Sicht eines 1941 geborenen

Früher war bekanntlich alles besser. Diesen Spruch kennt und langweilt jede Generation. Folgender Brief erreichte mich vor einigen Wochen und hat mich doch zum Nachdenken gebracht. Vielleicht weil der Verfasser nicht mit erhobenem Zeigefinger agiert hat? Vielleicht weil er irgendwie schon recht hat mit dem was er schreibt? Ich gehöre einer Generation an, die sowohl das Früher als auch das Heute kennt. Aber lest selbst: Brief vom 1. August 2017 Liebe Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder! Die Ferien- und damit die Reisezeit beginnt in wenigen Tagen bzw. hat schon begonnen. Während meiner Kur habe ich – wie immer – über vieles nachgedacht und möchte Euch an meinen Gedanken teilhaben lassen. Ach wie schön war es doch, als ich noch Postkarten erhielt, mit den Zeilen wie: „Die Sonne scheint den ganzen Tag“ oder „Das Wetter und das Wasser passt“ oder „Toller Schnee“. Das waren noch Zeiten, als glänzende Strand- Berg- und Stadtaussichten mit halbwegs dazu passenden Texten mich über das Wohlergehen von Freunden und Verwandten in der Ferne informierten. Leider ist das vorbei. Mittlerweile überfluten E-Mails aus dem Urlaub den Empfänger. Und sie sind langweilig. Vor allem, wenn der E-Mail-Schreiber immer wieder betont, wie „cool“ es doch sei, auf die herkömmlichen Ansichtskarten zu verzichten. Besonders fad, aber beliebt: Digitale Fotos, aufgenommen direkt am Flughafen. Kein Strand, keine Palmen, keine weißen Gipfel sind zu sehen. Nur jede Menge über- oder unterbelichtete Urlauber, die immer in die Kamera grinsen. Wie öde! Ich möchte wieder kitschige Ansichtskarten bekommen! Möchte das Gefühl haben, dass sich der Absender Mühe gibt. Eine Postkarte und eine Briefmarke kauft, einen halbwegs intelligenten Text formuliert und einen Briefkasten sucht. Verlange ich zuviel? Was haltet Ihr eigentlich davon, mit gutem Beispiel voranzugehen und eine Postkarte zu versenden? Vielleicht schon morgen oder aus dem nächsten Urlaub? Ganz liebe Grüße Euer Papa und Opa PS: Mir ist vollkommen klar, dass ich den Fortschritt nicht aufhalten kann und das will ich auch nicht. Nur ab und zu trauere den alten Gebräuchen aus der Vergangenheit ein wenig nach …   12. August 2017 Ich kaufe bei einem Stadtbummel einige Postkarten und demonstriere schon mal meine gute Absicht (mir selbst gegenüber). 17. August 2017 Ich fahre nach der Arbeit zum Postamt und stelle mich eine Viertelstunde in die Schlange, um einen ganzen Bogen 45 Cent-Marken zu kaufen. 21. August 2017 Ich bekomme eine Postkarte von meinem Bruder. Die Erste in meinem Leben, glaube ich. 25. August 2017 Ich bekomme eine Postkarte aus Italien von einem liebenswerten Kollegen (der von dem Aufruf nichts wusste). 4. September 2017 Ich verschicke meine erste Ansichtskarte und lade meinen Vater zu einem Treffen ein. 10. September 2017 Wir sprechen über seinen Briefaufruf und was er bisher schon alles bewirkt hat. Ich entschließe mich, seinen Brief in meinem Blog zu veröffentlichen (habe ihn natürlich vorher um Erlaubnis gefragt). 12. September 2017 Ich habe meinen Blogbeitrag fertiggestellt und und schicke meinem Vater heute noch eine Postkarte, auf der steht: „Wer braucht schon Superhelden, ich hab Papa“ (die auch morgen noch in seinem Briefkasten eine Überraschung darstellen wird, denn er hat kein Internet;-)).       Sharen...

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Trauer in der Paartherapie?

Posted by on 17.04.2017 in Trennung | 1 Kommentar

Trauer in der Paartherapie?

In meinen Augen ist das schmerzvolle Thema „Trauer“ in der (Paar)Therapie absolut unterschätzt. Es dürfte nicht verwundern, dass die meisten Menschen zunächst aufgrund von Beziehungskonflikten in psychologische Praxen kommen. Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dass Beziehungen immer nur auf der partnerschaftlichen Ebene stattfinden. Und oftmals verbirgt sich darunter weit mehr. Die wichtigste Beziehung Gehören Sie zu den Menschen, die unter Beziehung auch immer einen Partner vermuten? Ich sehe das anders. Denn, ganz im Gegenteil, Beziehung ist doch alles im Leben, oder? Jeder Einzelne von uns steht in unzähligen Beziehungen zu Freunden, Familie, Partnern, Arbeitskollegen, Haustieren usw. Die Allerwichtigste dabei ist jedoch die Beziehung zu sich selbst. Leider ist diese auch meist des Wurzels Übel, da sie weitestgehend vernachlässigt oder auch verdrängt wird. Unzählige Menschen haben keinen Bezug zu sich selbst und keinerlei Gespür für sich. Deshalb wissen viele auch nicht was sie brauchen, können schlecht Grenzen setzen, überfordern sich nicht selten oder kommen irgendwie fremdbestimmt durchs Leben, weil sie die Verantwortung an andere abgeben.   Trauerblockaden Manchmal haben sie es schlichtweg nicht gelernt oder aber eine traumatische Erfahrung hat dazu geführt, dass die Beziehung zu sich selbst unterbrochen ist. Weil der Verlust einer emotionalen Beziehung im Leben wohl das schmerzhafteste ist, was uns passieren kann, entsteht nicht selten aufgrund von Trennung oder sogar Tod eine Art Trauerblockade. Die entsteht nämlich dann, wenn der Trauer kein angemessener Raum eingeräumt wird. Schon Kindern werden Verluste gerne rasch ausgeredet, weil ihre Traurigkeit die Erwachsenen mitbelastet. Da wird dann schon mal schnell ein neues Haustier angeschafft, um die Trauer husch husch zu verjagen. Aber verdeckte Trauer sucht sich immer ihren Weg. Wenn nicht heute, dann morgen und das umso massiver. Natürlich spielt der Umstand einer Trennung oder des Todes eine große Rolle dabei. Letztendlich ist es therapeutisch gar nicht so wichtig, ob es um den Verlust eines Elternteils oder Geschwisters oder um die oft als Familiengeheimnis gehüteten Fehlgeburten, Abtreibungen oder Suizide geht. Die wichtigste Arbeit ist dann, erstmal Raum zu schaffen und sich mit der Trauer zu beschäftigen, um dann den Verlust ins Leben integrieren zu können. Das wirkt sich auf eine Beziehung auch immer aus und nicht selten lösen sich Probleme förmlich in Luft auf. Es lohnt sich also genau hinzuschauen.   Trauerkultur Unsere (Trauer)Kultur ist darauf ausgelegt, möglichst schnell wieder zu funktionieren und unangenehme Dinge und Gefühle möglichst schnell zu verdrängen. Viele sind auch mit dem Thema per se überfordert und hilflos. „Wir müssen nach vorne blicken“, so höre ich es immer wieder in meiner Praxis und besonders gerne von Männern. Denn schließlich muss das Leben ja weitergehen. Bloß keine Schwäche zeigen. So ist es wahrscheinlich auch dem 12-jährigen Harry passiert, dessen Mama vor 20 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Es handelt sich um den Sohn von Lady Di. Erst im erwachsenen Alter von 28 Jahren hat er sich Unterstützung gesucht. Gut gemacht! Artikel lesen …   Foto: © Susanna Amberger Sharen...

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Ghosting oder Benching?

Posted by on 21.01.2017 in Aktuelles | Keine Kommentare

Ghosting oder Benching?

Ghosting und Benching sind zwei neue Namen für zwei alte Phänomene. Zugegeben, beides keine feine englische Art, auch wenn sie so klingen mögen. Der Ghost ist derjenige, der sang- und klanglos in den Tiefen der Großstadt oder des Internets verschwindet. Der Bench hingegen lässt den anderen nicht völlig fallen, sondern „nur“ am ausgestreckten Arm verhungern. Er schiebt den vermeintlichen Partner auf die lange Bank – daher der Name (to bench). Benching ist heutzutage bei den jungen Leuten gang und gebe, allerdings wissen dann (hoffentlich) auch beide Parteien davon und akzeptieren die Regeln. Wenn man die Spielregeln nämlich nicht kennt, dann kann´s ganz schön schmerzhaft werden. Hier geht´s zum Artikel …   Sharen...

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Barbie oder Frau?

Posted by on 24.08.2016 in Allgemeines | 1 Kommentar

Barbie oder Frau?

So stellen sich Männer ihre Traumfrau vor (und das ist für uns Frauen ein Albtraum;-)): Blond, blauäugig, schlank, nicht größer als 1,70 m, sie sollte gepflegt sein, emotionale Intelligenz aufweisen und gut kochen können. Viel Spaß beim Backen, liebe Männer! Hier geht´s zum Artikel … Sharen...

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Große Altersunterschiede in Beziehungen

Posted by on 25.03.2016 in Aktuelles | 2 Kommentare

Große Altersunterschiede in Beziehungen

Gibt es einen optimalen Altersunterschied in Partnerschaften? Haben Menschen, die eine hohe Altersdifferenz zu ihrem Partner aufweisen, auch automatisch ein tieferliegendes Problem? Woran denkst Du spontan und vor allem ganz ehrlich, wenn Du von einem Paar hörst oder es sogar siehst, bei dem ein sichtbarer Altersunterschied besteht? Hast du Vorurteile gegenüber diesen Paaren und wenn ja, welche? (Hier sei erwähnt, dass diese auch eine Menge über Dich selbst aussagen …;-)) Ich habe mit der sympathischen Lisa-Marie Betzl ein Interview geführt, woraufhin es ihr gelungen ist, das Dauer-Klischeethema „Altersunterschiede in Beziehungen“  wunderbar leicht und locker auf den Punkt zu bringen. Vielen Dank dafür! Hier geht´s zum Artikel … Sharen...

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Die neue Lustpille für die Frau

Posted by on 24.08.2015 in Aktuelles, Sexualität | 1 Kommentar

Die neue Lustpille für die Frau

Schon lange ist die Forschung dran am Thema Lust und nun ist es endlich soweit – die Lustpille für die Frau ist auf dem Markt. Zwar noch nicht bei uns erhältlich, aber wie bei vielem sind die USA mal wieder Vorreiter und in absehbarer Zeit wird sich auch die deutsche Pharmaindustrie die Wahnsinnsgewinne nicht durch die Lappen gehen lassen.   Lustlos sind nicht nur die Frauen Sexuelle Lustlosigkeit ist der häufigste Grund, warum Menschen in meine Praxis kommen. Übrigens sowohl Frauen als auch Männer. Und ob man es glaubt oder nicht, Viagra hilft bei weitem nicht jedem Mann bei seinen Problemen. Denn, anders als es bei der Frauenpille zu sein scheint,  verschafft Viagra keine Lust, sondern lediglich „Standfestigkeit“. Immerhin. Fürs Nicht-Können gibt es  bei den Männern seither eigentlich keine Ausrede mehr. Nach der Modediagnose AD(H)S, die viel zu vielen Kindern, vorwiegend Jungs, übergestülpt wird und einer häufig damit verbundenen Medikamentengabe durch Ritalin & Co., gibt es jetzt einen neuen Renner. Man will uns weismachen, weil das Wollen über dem Können liegt, dass das Problem Lustlosigkeit nun der Vergangenheit angehöre. Endlich kann die Beziehung wieder rund laufen und alle sind happy. Weit gefehlt, denn die Pille mit dem niedlichen Namen „Addyi“ soll nur etwa jeder zehnten Frau helfen. Das erschließt sich mir noch nicht, denn was es mit den verbleibenden neun auf sich hat, keine Ahnung. Der Addyi-Wirkstoff wirkt ähnlich wie ein Antidepressiva im Gehirn auf die Frauen-Psyche ein und muss täglich eingenommen werden, also nicht nach Bedarf wie beim Männer-Mittelchen. Ein enormer Aufwand und mit Sicherheit ein auch Kostenfaktor. Von den ganzheitlichen Auswirkungen auf die Konsumentin ganz zu schweigen. Irgendwie schon komisch: Mann stülpt sich bei Bedarf ein Kondom über, Frau nimmt halblebenslänglich die Anti-Babypille. Mann nimmt bei Bedarf ein blaues Pillchen ein und Frau -wieder lebenslänglich- Addyi, aber das ist sie wahrscheinlich bereits gewohnt. Das klingt nach Ungleichgewicht.   Aus der sexualtherapeutischen Praxis Viele Menschen klagen über Lustlosigkeit, freundlicher ausgedrückt: Störung der sexuellen Appetenz. Nach meiner Erfahrung gibt es dafür immer Ursachen. Diese jedoch sind so vielfältig und vielschichtig, wie nur Menschen es sein können. Manchmal sind schlechte Erfahrungen für sexuellen Rückzug verantwortlich oder alte, unverheilte Verletzungen in der Partnerschaft, die nicht kommuniziert wurden, sondern sich oft in mangelnder bzw. fehlender Sexualität zeigen. Besonders anfällig für Verletzungen ist die Zeit um Schwangerschaft und Geburt. Nicht selten schlummern hier olle Kamellen, die durch Therapie an die Oberfläche geholt werden können. Sehr häufig ist mit Lustlosigkeit eine unbewusste Vermeidung von Nähe verbunden, mitunter starke Gefühle von Minderwert oder schlichtweg die Angst, sich dem Partner wirklich ganz zu zeigen und hinzugeben. Und daran wird auch Addyi nichts verändern. Ich glaube, dass unsere Herausforderung nicht darin besteht, dass wir weiterhin Symptome bekämpfen, sondern uns mit den Ursachen und uns selbst echt auseinandersetzen.       Sharen...

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Frau + Mann = Problem?

Posted by on 24.05.2015 in Allgemeines, Filme | Keine Kommentare

Frau + Mann = Problem?

Zehn Paare, die von bekannten deutschen Schauspielern verkörpert werden, sitzen auf der Coach eines unsichtbaren Therapeuten und geben uns jeweils einen 3-minütigen Einblick in ihre Beziehungen und Psychen. Und irgendwie auch in den Berufsalltag einer Paartherapeutin … Ich gebe zu, dass ich bei den einzelnen Settings oft lachen musste, weil ich genau solche Situationen tagtäglich erleben darf. Klar, in drei Minuten-Clips wirkt es sehr komprimiert und mitunter dick aufgetragen, aber in jedem Spaß steckt ja bekanntlich auch ein bisschen Ernst. Die Mini-Filme handeln unter anderem von Super-Machos, Lügnern, Verdrängern, Affären, Bedürftigkeit, Eifersucht, Ansprüchen, Sex, und Liebe. Die Mini-Clips sind weit besser als jedes Normalo-Fernsehprogramm und ich bin sicher, dass sich die meisten Zuschauer irgendwo ein Stück selbst wieder erkennen (oder zumindest jemanden kennen, der genau „so“ ist;-))! Hier klicken zum Link zur Arte-Doku …   Foto: © Torsten Schlemmer Sharen...

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Nomen est omen

Posted by on 23.03.2015 in Aktuelles | 2 Kommentare

Nomen est omen

Wie gerne wir Menschen doch immer wieder nach Erklärungen suchen, warum wir so sind wie wir sind. Was sagt unsere Schrift über uns aus oder unser Kühlschrankinhalt? Unser Fahrstil, unsere Inneneinrichtung und unser Name?  Fährt Moritz Porsche, weil er ehrgeizig ist und kommt sie aus gutem Hause, nur weil ihr Name Julia ist? Laut nachstehender Umfrage stehen Mias gern im Mittelpunkt, haben Annikas blonde Haare und Marcels stehen auf Energy-Drinks, während Jans dauerhaft nach ihrer Identität suchen. Wenn Eltern ahnen würden, was sie Kindern durch den Namen bereits an „wichtigen“ Informationen mitgeben, dann wären einige von uns sicher (und besser) namenlos geblieben. Marvins werden nämlich nie erwachsen und Ninas sind irgendwie immer niedlich. Im folgenden Artikel kommen noch mehr witzige Assoziationen zu verschiedenen Namen und wenn ich ganz ehrlich sein darf: einiges davon kommt mir durchaus bekannt vor … Hier weiterlesen …   Foto: © Jenny Sturm – Fotolia.com Sharen...

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Polyamorie – mehr als ein Partner

Posted by on 1.02.2015 in Allgemeines, Fremdgehen, Sexualität, Trennung | 3 Kommentare

Polyamorie – mehr als ein Partner

Ist die Beziehungsform Polyamorie eine tiefe Überzeugung? Oder entsteht sie möglicherweise, weil Menschen sich nicht für einen Partner entscheiden können oder wollen? Vielleicht ergibt sich diese Liebesform ja auch aus dem Frust von gescheiterten Beziehungen in Folge? Auch wenn ich klar sagen muss, dass die meisten mir bekannten Menschen eine monogame Beziehungsform – manchmal auch in Serie – bevorzugen, bin ich in meiner Praxis mitunter mit dem Thema Polyamorie konfrontiert.   Oft nur einseitiger Wunsch Mein Alltag stellt sich eher so dar, dass in einer bestehenden Beziehung, die monogam angelegt war, ein Partner einen weiteren Menschen kennengelernt und meist auch schon lieben gelernt hat. Bis hier klingt das ein wenig nach einer klassischen Affäre. Diese jedoch zeichnet sich in der Regel durch Heimlichkeit aus und ist immer zeitlich begrenzt. Ab einer gewissen Dauer wird nämlich jede Affäre zu einer Zweitbeziehung und spätestens dann gilt es Entscheidungen zu treffen. Mir sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen ein Paar Diskussionen über alternative Lebensformen geführt hat, bevor es bereits zu entsprechenden Handlungen kam. Das bedeutet, dass ein Partner den anderen quasi plötzlich mit dem Thema „ab jetzt liebe ich noch jemanden“ konfrontiert. Damit wird diesem eine Menge zugemutet. Ich habe festgestellt, dass Polyamorie auch gern „missbraucht“ wird, wenn der Partner mit mehreren Lieben, selbst keine Entscheidung zu treffen in der Lage ist. Das heißt, dieser will sowohl die Sicherheit der Kernbeziehung als auch die „Freiheit“ in der neuen Beziehung leben. Und schiebt damit die Entscheidung irgendwie an den Partner ab.   Entscheidungen treffen Meist trifft es den bisherigen Partner, der an seine Exklusivität geglaubt hat, völlig unvorbereitet aus heiterem Himmel und dieser wird nun vor schwere Entscheidungen gestellt. Der Partner liebt plötzlich noch jemanden – neben uns – und das offenbar so richtig doll. Manche Menschen könnten besser damit umgehen, wenn es sich „nur“ um Sex handeln würde, aber eine tiefgehende emotionale Verbindung zu einem weiteren Partner, ist für viele unvorstellbar. Eine Alternative zur Akzeptanz des meist plötzlichen Sinneswandels, bietet letztendlich nur der Gedanke an eine Trennung. Die macht aber Angst. Eine Trennung und (wieder) allein zu sein – besser gesagt ohne Partner dazustehen -, das sind häufige Gründe für Menschen, in einer Beziehung zu bleiben, die ihnen nicht gut tut. Das ist natürlich eine denkbar schlechte Voraussetzung ausgerechnet in eine polyamore Beziehung zu wechseln. Denn das klingt ja eher nach einem faulen Kompromiss, der schiefgehen muss.   Eine echte Haltung entwickeln Leider wissen unzählige Menschen nicht, was sie wirklich wollen und übergehen dadurch ihre Gefühle. Sie rationalisieren statt ihre Emotionen zu spüren, die ihnen Auskunft darüber geben, was sie brauchen. Wenn jemand in einer Beziehung bleibt, obwohl die eigenen Werte verletzt werden, dann werden die inneren Konflikte so stark, dass sie irgendwann die Oberhand gewinnen. Die einzige Möglichkeit in einer polyamoren Beziehung mit einer entsprechenden Haltung zu leben, wäre in meinen Augen die echte Auseinandersetzung mit sich, immer wieder die eigenen Gefühle spüren und letztendlich einen neuen Umgang mit dem Ego zu erlernen. Wir müssten wohl dringend Erleuchten, um eine echte Akzeptanz von Polyamorie leben zu können. Vielleicht ist das aber eine gute Gelegenheit, um letztendlich zu erkennen, was wir nicht wollen. Denn mitunter müssen wir eine Menge Erfahrungen machen und verlaufen uns auch manchmal auf unserem Weg. Aber das gehört zu unserem Wachstum und unserer Entwicklung nun mal dazu.   Foto: © tsepova – Fotolia.com Sharen...

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Noch jemand Angst vorm Tod?

Posted by on 30.11.2014 in Aktuelles, Filme, Trennung | Keine Kommentare

Noch jemand Angst vorm Tod?

Der Tod hat derzeit eine beeindruckende Medienpräsenz und dieser Umstand macht es uns ganz schön schwer, das für viele unangenehme Thema erfolgreich zu verdrängen. Aber was ist eigentlich daran so angsteinflößend, dass wir glauben, damit nicht umgehen zu können? Weil uns der Tod immer mit der eigenen Endlichkeit knallhart konfrontiert. Und das macht Angst. Große Angst. Doch früher oder später werden wir nicht umhin können, uns damit auseinanderzusetzen und den Umgang mit Abschied und Trauer kann man in gewissem Maße lernen. Auf den Tod selbst kann man sich wohl nur schwer vorbereiten. Wir interpretieren unsere Gefühle, die durch Tod und Abschied aufkommen, in der Regel als negativ, weil sie äußerst schmerzhaft sind und uns meist an den Rand des Erträglichen bringen. Ich kenne nur wenig Menschen, die sich dem Ganzen angemessen stellen; die meisten schieben es beiseite. Dabei ist ab unserer Geburt nichts so sicher, wie unser Sterben. Lediglich eine zeitlich begrenzte Lebenszeitspanne steht uns zur Verfügung, die wir bestmöglich nutzen und für diese geschenkte Zeit dankbar sein sollten. Denn wir wissen nie, wann sie endet. Leicht gesagt. Aus diesem Grund finde ich die aktuellen Diskussionen über Palliativmedizin, Sterbehilfe & Co. so wichtig, damit unsere Kultur den Umgang mit Trauer und Trauernden endlich wieder lernen kann.   Provokative Fragen In der Psychologie werden gerne und immer öfter provokative Fragen zum eigenen Sterben gestellt. Diese „Schocktherapie“ könnte in etwa so klingen: „Was glauben Sie, wird am Ende Ihres Lebens auf Ihrem Grabstein stehen?“ (Mögliche und häufige! Antwort: „Sie hat es immer allen recht gemacht …“) Oder: „Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch 24 Stunden zu leben hätten?“ (Mögliche und häufige! Antwort: „Mich um meine Frau und Kinder kümmern und Ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe …“) Ich denke, dem brauche ich nichts mehr hinzuzufügen. Durch die Auseinandersetzung mit dem Tod können Menschen mehr Bewusstsein erlangen. Besonders für den Moment – das Hier und Jetzt. Dass wir nicht unendlich viel Zeit haben, können wir uns auch nicht oft genug klarmachen. Und wir die Dinge, die uns wirklich wichtig sind, eines Tages vielleicht nicht mehr nachholen können, wissen wir eigentlich auch. Worauf warten wir also dauernd? Weil wir es meist nur rational verstehen und nicht emotional spüren. Auch nicht spüren wollen, weil wir Angst davor haben.   Trauer in der (Paar)Therapie Trauer erscheint mir wie ein Bumerang-Thema, das heißt, ganz egal wie weit er geworfen wurde, er kommt früher oder später zu uns zurück. Und nicht nur das, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem wir nicht damit rechnen. Es ist, als wenn der Bumerang durch den weiten Wurf erst richtig an Fahrt aufgenommen hätte, und seine Rückkehr trifft uns nun umso zielsicherer. Ich durfte bisher mit vielen Menschen arbeiten und habe immer wieder festgestellt, dass verdrängte und nicht gelebte Trauer ein Riesenthema in der Therapie ist. Auch wenn Klienten in aller Regel nicht deshalb den Weg zu mir finden, sondern der Weg zum Therapeuten zunächst meist aufgrund von Partnerschaftskonflikten angetreten wird. Immer wieder erlebe ich Klienten in berührenden Situationen, wenn ich sie „nur“ nach einigen Menschen in ihrer Geschichte frage und rasch klar wird, wenn unverarbeitete Trauer am Werk ist. Die Reaktionen meiner Klienten überraschen sie häufig selbst völlig, weil sie glaubten, dass sie entweder längst darüber hinweg wären, das alles doch schon so lange her sei oder sie „eigentlich“ keine tiefe emotionale Bindung gehabt hätten. Denkste. Es geht hierbei nicht nur um den Tod von Eltern, sondern genauso um verstorbene Geschwister, Freunde, Verwandte, Suizide, Abtreibungen, Fehlgeburten und so weiter. Trauer ist auch nicht gleichbedeutend mit Tod, denn unverarbeitete Beziehungen, Trennungen, Kontaktabbrüche und dergleichen fordern genauso...

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